Knack mit Köpfchen: Chiropraktik als Behandlungsmethode für Rücken- und ausstrahlende Beschwerden

Erfahre wie und wann eine Behandlung in der Chiropraktik sinnvoll ist und für wen sie geeignet ist.

Die Chiropraktik ist eine Methode zur Behandlung von Beschwerden des gesamten Bewegungsapparates. Funktionelle Störungen der Wirbelsäule sowie weiterer Gelenke können zu lokalen und auch ausstrahlenden Schmerzen führen, die sich durch chiropraktisch-manuelle Therapie oft sehr zuverlässig bekämpfen lassen. Dabei gehören sowohl der akute «Hexenschuss» wie auch chronische Beschwerden bei Arthrose oder Bandscheibenproblemen zum täglichen Brot der chiropraktischen Praxis.

Wo besteht der Unterschied zu anderen Methoden?

Der grösste Unterschied zu anderen Therapieformen liegt in der Ausbildung – Chiropraktor:innen absolvieren ein Masterstudium an einer Universität. Sie gehören zu den fünf Medizinalberufen und sind befugt, Bildgebung wie Röntgen oder MRT anzuordnen, Diagnosen zu stellen und Medikamente zu verschreiben. Während in der Physiotherapie ein Grossteil der Behandlung auf Ebene der Muskulatur und Bandstrukturen stattfindet, liegt der Fokus der Chiropraktik auf den Gelenken. Die Behandlungsmethoden können sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.

Die Chiropraktik ist eine gründlich erforschte und sichere Behandlungsmethode – nicht umsonst werden chiropraktorische Leistungen von sämtlichen Grundversicherungen übernommen.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Bei der ersten Konsultation werden in einem ausführlichen Gespräch die bisherige Krankengeschichte aufgenommen und die aktuellen Beschwerden und mögliche auslösende Faktoren besprochen. Im anschliessenden Untersuch werden mögliche Schmerzursachen ein- oder ausgeschlossen. Sollte eine weitere Abklärung (Röntgen/MRT) nötig sein, wird dies vor Ort besprochen und direkt veranlasst. Sofern die Befunde dafür sprechen, erfolgt im Anschluss an eine ausführliche Aufklärung direkt die erste Behandlung.

Welche Erfolge darf ich erwarten, wie sieht die Nachbetreuung aus?

Die Anzahl und Frequenz der Konsultationen hängt von den Beschwerden ab und wird vor Ort besprochen. Im Gegensatz zur Physiotherapie besteht eine Serie nicht klassisch aus 9 Konsultationen, sondern kann individuell festgelegt werden. Bezüglich Ansprechen auf die Therapie gilt meist: Je kürzer die Beschwerden bestehen, desto schneller das Ansprechen. Oftmals lassen sich die Beschwerden innert weniger Sitzungen deutlich beeinflussen, was als positives Zeichen gewertet werden darf. Im Verlauf der Therapie kann das Intervall zwischen den Behandlungen ausgedehnt werden. Zur Stabilisierung der Situation ist eine aktive Mithilfe der Patient:innen wichtig, damit die Beschwerden nicht nur verschwinden, sondern auch nicht mehr zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt ist die Zusammenarbeit mit den hausinternen Physiotherapeut:innen besonders wertvoll. Ziel ist immer, keine Therapieabhängigkeit zu schaffen, sondern die Beschwerden so zu beeinflussen, dass Patient:innen den Schmerz selbständig kontrollieren und regulieren – und im Idealfall natürlich vergessen – können.

Kann Chiropraktik auch bei Beschwerden ausserhalb der Wirbelsäule helfen?

Beschwerden sind oft von ausstrahlendem Charakter, was bedeutet, dass der Schmerz nicht am Ort der Ursprungsproblematik wahrgenommen wird. Aus diesem Grund ist der gesamtheitliche Ansatz der Chiropraktik besonders wertvoll. Der Untersuch und die Behandlung beschränken sich nicht auf ein einzelnes Gelenk oder Organ, sondern involvieren stets mit den gesamten Bewegungsapparat. Bei sämtlichen Beschwerden werden mögliche Zusammenhänge mit dem Bewegungsmuster, der Wirbelsäule und weiteren Gelenken evaluiert und entsprechend behandelt. Patient:innen mit Schmerzen der Arme oder Beine, Kribbelgefühl, Schwindel, Kopfschmerz und auch Tinnitus können häufig von der Therapie profitieren.

Für welche Altersgruppe ist die Therapie geeignet?

Chiropraktik lässt sich für Menschen jeden Alters und verschiedenster Ansprüche anwenden – ob Schwangere, Hobby- oder Spitzensportler:in, Säugling oder Senior:in. Die klassische Behandlung beinhaltet oft eine sogenannte Manipulation eines oder mehrerer Gelenke. Dabei wird das Gelenk mit minimalem Kraftaufwand und hoher Präzision sowie Geschwindigkeit bewegt. Das berühmte «Knacken» ist aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit chiropraktischer Behandlung, weshalb beispielsweise auch Patient:innen mit Osteoporose behandelt werden können.

Ich bin voroperiert – was nun?

Im Rahmen der ersten Konsultation werden sämtliche operativen Eingriffe sowie Bildgebungen analysiert und besprochen. Voroperierte Patient:innen können weiterhin behandelt werden – auch nach Wirbelversteifung. Natürlich wird die operierte Region dabei nicht bewegt. Oftmals stammen Beschwerden an operierten Wirbelsäulen und Gelenken von den Strukturen, die weiterhin beweglich sind. Diese können weiterhin sorgfältig behandelt werden. Besteht aber vor der Behandlung beispielsweise Verdacht auf eine Schraubenlockerung, erfolgt die direkte Überweisung zur Abklärung.

Wer bezahlt die Behandlung?

Die Behandlungskosten werden von der Krankenkasse übernommen. Chiropraktik ist Teil der obligatorischen Grundversicherung und wird von allen Kassen übernommen – abzüglich Selbstbehalt.  Innerhalb des Gesundheitssystems spielt die Chiropraktik eine einzigartige Rolle – im Rahmen derselben Sprechstunde findet nicht nur Diagnostik, sondern auch manuelle Therapie statt. Dabei liegt der Fokus, wenn immer möglich, auf der Therapie ohne medikamentöse oder chirurgische Massnahmen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Hausarztpraxen wie auch weiteren Spezialist:innen des Bewegungsapparates ist dabei zentral.

Übrigens:

Das berühmte Knackgeräusch, das bei der so genannten «Manipulation» häufig auftritt, ist harmlos. Durch die schnelle und gezielte Bewegung des Gelenks kommt es zu einer Dehnung der Gelenkkapsel und einem Unterdruck im Gelenk. Die sich darin befindende Gelenkflüssigkeit wechselt vom flüssigen in einen gasförmigen Zustand – es knackt!


Autor: Noëmi Amrhein, Fachchiropraktorin ChiroSuisse